Erklaerung · IT-Verfuegbarkeit
"Kein Anschluss unter dieser Nummer"
— das halbe deutsche Internet nicht erreichbar
Warum am 5. Mai 2026 viele .de-Webseiten plotzlich weg waren — und warum das an einen 16 Jahre alten Vorfall erinnert.
Vielleicht haben Sie es gestern Abend selbst erlebt: Sie wollten kurz auf eine deutsche Webseite — Bahn, Online-Shop, Kundenportal, Ihr eigener Auftritt — und der Browser meldete trocken "Diese Seite ist nicht erreichbar." E-Mails an deutsche Adressen blieben haengen. Manche Telefonanlagen zeigten "Registrierung fehlgeschlagen". Ein paar Stunden lang war ein Teil des deutschen Internets nicht greifbar.
Schuld waren weder Sie, noch Ihr Provider, noch Ihr Computer. Schuld war die Auskunft.
Der vorige vergleichbar grosse DENIC-Vorfall war am 12. Mai 2010 — eine fehlerhafte Zonen-Datei legte damals Millionen .de-Webseiten lahm.
Am 5. Mai 2026 begannen die ersten Resolver, .de-Antworten zu verwerfen. Behebung folgte ueber Nacht.
Praktisch alle deutschen Internet-Anbieter pruefen DNSSEC. Genau diese Pruefung machte die kaputten Signaturen sichtbar — und alle .de-Domains unerreichbar.
In sechs Punkten erklaert
DNS = Adressbuch des Internets
Wenn Sie "wulffit.de" tippen, fragt Ihr Anbieter im Hintergrund: "Wo liegt das?". Fuer alle .de-Adressen ist die DENIC fuer diese Auskunft zustaendig — eine deutsche Genossenschaft, die den deutschen Band des weltweiten Adressbuchs betreibt.
DNSSEC = Echtheitssiegel auf der Auskunft
Damit niemand falsche Auskuenfte einschmuggelt, bekommen die Antworten der DENIC ein digitales Echtheitssiegel. Internet-Anbieter pruefen dieses Siegel, bevor sie ihren Kunden eine Adresse weiterreichen.
Was am 5. Mai schiefging
Die Auskunft selbst war richtig — aber das Echtheitssiegel passte nicht. Korrekt arbeitende Anbieter mussten die Antwort verwerfen. Fuer Sie als Nutzer fuehlt sich das an wie "die Webseite ist weg" — egal ob es um Ihren Webauftritt, eine E-Mail an einen .de-Empfaenger oder Ihre Telefonanlage ging.
Wer trotzdem Internet hatte — und warum das kein Vorbild ist
Anbieter, die das Echtheitssiegel NICHT pruefen, hatten gestern keinerlei Probleme. Klingt verlockend — ist aber genau die falsche Lehre. Ohne diese Pruefung waeren Sie taeglich angreifbar fuer gefaelschte Webseiten und Phishing in unsicheren WLANs. Die Schutzwirkung wiegt seltene Stunden Reichweite-Ausfall um Laengen auf.
Schon einmal dagewesen — der Klassiker von 2010
Am 12. Mai 2010 hatte die DENIC schon einmal eine vergleichbar grosse Stoerung — damals durch eine abgeschnittene Datendatei, die alle Domains alphabetisch ab "fa" auf einen Schlag aus dem Adressbuch loeschte. Zwischen 2010 und gestern: 16 Jahre ohne vergleichbar grossen Vorfall. Eine Genossenschaft, die ein ganzes Land traegt, und das ueber 16 Jahre praktisch fehlerfrei — das darf man so anerkennen.
Was wir mitnehmen
Wenn eine zentrale Stelle hustet, niest ein ganzes Land. Eine zweite Webseite hilft nichts, wenn die Auskunft fuer .de insgesamt streikt — dafuer muesste man parallel auf einer anderen Endung erreichbar sein. Und: Die wichtigste Aufgabe in solchen Stunden ist nicht, am System zu schrauben, das nicht kaputt ist, sondern die Kunden zu informieren — bevor das Telefon klingelt. Wir haben unsere Kunden gestern Abend per WhatsApp erreicht, weil eigene Mails ueber .de-Server gegangen waeren. Genau die richtige Reihenfolge.
Was konkret betroffen sein konnte
Im Prinzip jeder Dienst, dessen Adresse auf .de endet — und davon gibt es viele:
- •Webseiten von Kanzleien, Praxen, Handwerksbetrieben, Online-Shops
- •E-Mail-Verkehr, sofern der eigene oder der Mailserver des Empfaengers unter
.deliegt - •Telefonanlagen mit deutschen SIP-Adressen
- •Cloud-Dienste, VPNs, Fernzugriffe — ueberall dort, wo
.de-Hostnamen im Spiel sind
Internationale Dienste (.com, .org, .net) liefen normal weiter.
Wenn Sie sich fragen, wie Sie auf so etwas vorbereitet sind
Vorfaelle wie der vom 5. Mai sind selten — aber wenn sie eintreten, treffen sie auf einen Schlag riesige Bereiche. Drei pragmatische Fragen, die jeder Mittelstaendler einmal beantwortet haben sollte:
- →Habe ich einen Kommunikationsweg zu meinen Kunden, der NICHT von
.de-Infrastruktur abhaengt? - →Sind kritische Dienste (z.B. Telefonie) auf eine zweite Domain-Endung redundant erreichbar?
- →Wuessten meine Mitarbeiter, was sie ihren Kunden in solchen Stunden sagen sollen?
Wenn Sie eine dieser Fragen mit "weiss nicht" beantworten — sprechen Sie uns an. Solche Notfall-Konzepte sind in einer Stunde besprochen und in einem halben Tag umgesetzt.